Bramfelder*innen müssen für gewöhnlich ein ganzes Stück fahren, um zu Lesungen mit Literaturhaus-Niveau zu kommen. Von März bis Dezember 2016 war das anders: Der Brakula hatte in seiner Reihe Literakula – Bramfeld wird belesen bekannte und begabte Hamburger Autor*innen an ausgewählte Orte im Stadtteil eingeladen, wo sie Romanauszüge, Geschichten und Gedichte lasen, die zu ihrer Umgebung passten.

Autor: Konstantin Ulmer

Doris Gercke las in der Osterkirche Bramfeld, Foto: Nina Dobrot

Insgesamt elfmal führten Simone Buchholz, Saša Stanišić und Co ihre Zuhörer auf literarisch unbestelltes Gelände – beispielsweise in einen Kostümverleih, ins Polizeikommissariat 36, in eine KFZ-Werkstatt oder auf den Sportplatz des Bramfel­der SV. Ergänzt wurden die Lesungen der Lokalmatadore durch thematisch passende Texte bekannter Klassiker – von Kurt ­Tucholsky über Thomas Bernhard bis hin zu dem sehr modernen Klassiker Jan Böhmermann mit seinem YouTube-Hit „Ich hab Polizei“. Und damit die Interessierten auch abseits der ­Lesungen mit Literatur versorgt waren, wanderte eine Literakula-Minileihbibliothek mit Büchern der beteiligten Autor*innen von Ort zu Ort. Zum Mitmachen regte auch ein Schreibwettbewerb unter dem Motto „Schöne Bescherung“ an, dessen drei Gewinner*innen auf der Abschlusslesung in der Osterkirche Bramfeld ausgezeichnet wurden.

Literakula war vor dem Hintergrund entstanden, dass der Brakula saniert wurde und für mehr als ein Jahr geschlossen war. Diesen Zeitraum wollte das Brakula-Team nutzen, um Kultur buchstäblich in den Stadtteil zu tragen: Über Kooperationspartner, die Themenwahl und die günstigen Eintrittspreise sollte die Reihe auch Menschen ansprechen, die bisher nicht zu den Stammgästen des Kulturladens gehörten. Und der Plan ging auf: Für viele der Kooperationspartner waren die Lesun-gen absolute Highlights, bei denen sie „ihr“ und „unser“ Publikum in einem besonderen Rahmen begrüßen konnten. Das ­Projekt führte mitunter auch über die Lesungen hinaus: Im PK36 beispielsweise luden Leitung und Stadtteilpolizisten im Anschluss an die Veranstaltung zu einem Zellenrundgang.

Gefördert wurde das Projekt von der Sparkassen-Stiftung Holstein, OTTO, der Stiftung Hamburger Wohnen, der Hamburgischen Kulturstiftung und dem Bezirksamt Wandsbek.

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