In Altona gehen die Fenster auf. Die Balkontüren öffnen sich. Die Bewohner*innen Altonas treten aus der Anonymität heraus. Unterstützt von Künstler*innen inszenieren sie bei ALTONA MACHT AUF! zur theater altonale ihre Wünsche und Sehnsüchte auf ihren Balkonen. Sie singen, schreien, flüstern aus ihren Fenstern. Sie verleihen dem Ausdruck, was im Alltag hinter der Fassade bleibt: Mit den Mitteln der Kunst geben sie Altona ihr Gesicht.

Autoren: Tania Lauenburg und Carsten Brandau

Theater auf dem eigenen Balkon: Michael Borkowski und Peter Wulf mit einer Performance über den wahrhaftigen, Namensgeber des Stadtteils: „Tona aus dem All” (links), Foto: Bernd Klumfass

Als die Leiterin der theater altonale Tania Lauenburg und der Theaterautor Carsten Brandau mit der Idee zu ALTONA MACHT AUF! zum ersten Mal an die Öffentlichkeit traten, schlug ihnen überwiegend Skepsis entgegen: „Wer wird da denn mitmachen? Das wird niemals funktionieren.“ Doch, es funktioniert: 2012 öffneten sich die Sehnsuchtsfenster und Balkontheater zum ersten Mal und im letzten Jahr bei der 5. Ausgabe machten schon über 1.000 Altonaer*innen ihre Fenster und Balkone auf.

Die partizipatorische Stadtteilperformance ALTONA MACHT AUF!, die mittlerweile fester Bestandteil des nachbarschaftlichen Lebens in Altona geworden ist, ist ein soziokulturelles Projekt, das auf ganz besondere Weise Kunst- und Kultur­vermittlung zum Zweck der gesellschaftlichen Teilhabe nutzt: Angesiedelt an der Schnittstelle zwischen öffentlichem Raum und Privatsphäre, zwischen Stadtteilpolitik und individuellem Lebensentwurf gibt ALTONA MACHT AUF! allen Bewohner*innen mit den Mitteln von Kunst und Kultur ein Instrumentarium an die Hand, mit dem sie sich ganz persönlich in die Gestaltung ihres Lebensraumes einbringen können.

Insbesondere Interventionen im öffentlichen Raum spielen bei ALTONA MACHT AUF! eine große Rolle – Interven­tionen, die die Möglichkeiten der verschiedenen Kunstsparten nutzen, um ein soziales Netzwerk zu erstellen, um Eigeninitia­tive zu wecken und um sich gemeinsam der Frage zu stellen „Wie wollen wir zusammen leben?“

Jegliche Beteiligung ist bei ALTONA MACHT AUF! erwünscht und wird unterstützt – solange niemand angegriffen oder diskriminiert wird. Die vielfältigen Angebote, die vom Projekt ausgehen, sind kostenlos und offen für alle Bewohner*innen Altonas – unabhängig von allen nur denkbaren Unterschieden: Seien diese nun kulturell, religiös, körperlich oder sozial bedingt. So können sich die Bewohner*innen über einen Zeitraum von drei Monaten individuell, als Haus- oder Straßengemeinschaft von einer Künstlerin oder einem Künstler coachen lassen. Sie können an diversen Workshops im projekteigenen Büro – in der „Börse der Sehnsüchte“ – teilnehmen und werden bei Fensterlesungen und Balkonkonzerten mit Know-how und Technik unterstützt.

Die Niedrigschwelligkeit ist besonders wichtig und begründet den Erfolg der Stadtteilperformance: So ist es dem Team von ALTONA MACHT AUF! in den letzten Jahren immer wieder gelungen, die Altonaer Nachbarn für dieses soziokulturelle Projekt zu gewinnen und zu begeistern. Die besondere Qualität des Projekts besteht darin, den Bewohner*innen Kunst und Kultur auf lustvolle, sinnliche und persönliche Art und somit als Ausdrucksmöglichkeit für jedermann/-frau nahezubringen. Die Performance-Kunst wird hierbei als eine Möglichkeit des nachbarschaftlichen Miteinanders und der sozialen Teilhabe jenseits der oft als unwegsam empfundenen Pfade der Kommunalpolitik vermittelt.

Paula Stolze performt auf ihrem Balkon „Lärm und Schwärm”, Foto: Thomas Panzau

Als Projekt innerhalb der altonale konnten Tania Lauenburg und Carsten Brandau für ALTONA MACHT AUF! bereits während der Konzeptionsphase auf ein großes Netzwerk zurückgreifen. Dieses kooperative Netzwerk konnte in den vergangenen sechs Jahren kontinuierlich ausgebaut werden – mittlerweile haben sich verschiedene Schulen, soziokulturelle Einrichtungen, Vereine und kulturelle Zentren aus Altona im Projekt zusammengefunden.

Die Nachhaltigkeit der Stadtteilperformance zeigt sich vor allem in der Altonaer Nachbarschaft selbst: Von der Einrichtung verschiedener Theatergruppen und Bandprojekte über die ­gemeinschaftliche Bewirtschaftung eines Biogartens bis hin zur Gründung einer Bürgerinitiative. Denn ALTONA MACHT AUF! ist viel mehr als nur zwei sommerliche Abende, an denen die Nachbarschaft mit ihren Sehnsuchtsfenstern und Balkontheatern Altona ein Gesicht gibt: ALTONA MACHT AUF! verwandelt eine anonyme Nachbarschaft mittels künstlerisch-kultureller Vermittlung in ein kooperatives Netzwerk – das nächste Mal mit „Altona geht anders!“ am 23. und 28. Juni 2017.

KONTAKT
ALTONA MACHT AUF!
Schomburgstraße 110 · 22767 Hamburg
0173/966 28 06 · theater@altonale.de
www.altona-macht-auf.de