„War früher alles Schwarz-Weiß?“ Das fragt sich das kleine Mädchen, als es die alten Fotos ihres Stadtteils mustert. Ihr Mitschüler, der das Bild der alten Dorfschule ansieht, ruft begeistert aus: „Das kenne ich. Da ist mein Kinderarzt!“ Sie kennen sich aus – und doch wieder nicht. Deshalb vermittelt das Historische Kinderprojekt vom Stadtteilarchiv Bramfeld Kindern seit 2005 die Geschichte des Stadtteils.

Autorin: Gudrun Wohlrab

Oma, Enkelin und eine alte Puppe, Foto: Stadtteilarchiv Bramfeld

Oma, Enkelin und eine alte Puppe, Foto: Stadtteilarchiv Bramfeld

Durch das Bramory – das Bramfeld-Memory aus Bildpaaren von früher und heute – erfahren Kinder mehr über die Entwicklung ihres Wohnortes. Bei der GPS-Rallye entdecken sie die dörflichen Spuren. Wenn die Kinder auf dem Stadtteilfest mit den Luftbildpuzzles spielen, sehen sie ihren Stadtteil aus einer ganz neuen Perspektive. Grundlage für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen ist die Verankerung an ihrem Lebensort. Sie lernen spielerisch sich selbst zeitlich und räumlich einzuordnen und mit ihrem Wohnort zu identifizieren.

„Ich habe keinen Opa mehr. Du bist jetzt mein Ersatz-Opa“, strahlt der Drittklässler Günter an. Von Günter hat er gerade gelernt, wie er aus Papier kleine Modelle fertigt. Wenn Ursula den Kindern zeigt, wie man eine kleine Puppenwiege selbst bastelt, dann glänzen die Augen. Ein Mädchen knotet eilig den Faden an die Nadel: „Und nun zeig mir, wie man die Decke näht!“ „Meine Puppe mussten wir gegen einen Sack Kartoffeln tauschen. So war das eben in der schlechten Zeit“, erinnert sich Helga. Gespannt hören die Kinder zu, die der Aufforderung, ihr Lieblingsspielzeug mitzubringen, kaum Folge leisten können – angesichts ihrer vollgestopften Kinderzimmer.

Worum geht es im Generationenprojekt? Es menschelt: Junge treffen alte Menschen und Geschichte vermittelt sich ganz nebenbei. Wie haben Kinder früher gelebt und womit haben sie gespielt? Die Senioren zeigen wie „Trudelreifen“ oder „Kibbel Kabbel“ geschlagen werden – Spiele, die seit Jahrzehnten aus dem Straßenbild verschwunden sind. Alle staunen, dass der syrische Junge den Trudelreifen kennt und wie der türkische Opa den Kibbel bis zum Schulzaun schlägt. Ein Achtjähriger überlegt laut: „Wenn ich genug mit dem Reifen übe, kann ich damit doch im Zirkus auftreten?!“

Das Smartphone vermisst gerade niemand und die Senioren aus der „Erfahrungsschatzgruppe“ des Historischen Kinderprojekts sind verblüfft, wie sehr sich die Kinder für ihre Erinnerungen interessieren.

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