„Das machen wir nie wieder!“, sagten sich die Organisatoren erschöpft nach der erfolgreich verlaufenen Kunstklinik im Jahr 2013. Aber: Never say never! Also taten sich auch 2014 das Kulturhaus Eppendorf, crazyartists und MARTINIer-LEBEN wieder zusammen, vereinten erneut ihre Kräfte und siehe – es ward noch größer und noch besser.

AUTORIN: IRIS OHDE

"Lebendige Ausstellung“ – eine Performance mit Farbe an Wänden und Objekten, Foto: Bernd Hellwage

„Lebendige Ausstellung“ – eine Performance mit Farbe an Wänden und Objekten, Foto: Bernd Hellwage

Eines hatte sich schon im Vorjahr gezeigt: Der Wunsch, sich künstlerisch auszudrücken und dies einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen, macht weder vor Alter noch vor Behinderung halt. Man braucht nur 100 Räume in nicht ganz einwandfreiem Zustand. Und die 200 Künstlerinnen und Künstler, die Wände einreißen, Reliefe in den Putz klopfen und Mauern und sich selbst anmalen, finden sich wie von selbst. Dazu Workshops, Musik, Theater und Lesungen, gutes Wetter, ein Biergarten und ein Café – schon hat man eine Kunstklinik.

„Inklusion? Wie, der Künstler war behindert? Nicht gemerkt. Ich habe mich mit ihm nur über seine Bilder unterhalten …“. So erging es vielen der 4000 Besucher, die zu dem Aktionswochenende kamen, um Kunst zu erleben. Wie leicht kann es plötzlich sein, mit jemandem zu sprechen, der „behindert“ ist, wenn er oder sie genau das Bild gemalt hat, das man schon immer zu Hause hängen haben wollte. Wie schnell kommen zwei Menschen ins Gespräch, wenn sich beide für den Schauspielworkshop interessieren. Da trinkt man doch noch einen Kaffee zusammen. Und in der Atmosphäre, die an diesem Wochenende geschaffen wurde, kamen auch noch andere zum Kaffee dazu.

„Hast du schon das Labyrinth gesehen?“ „Warst du in dem Raum der umgedrehten Welt?“ „Das Schulprojekt ist super!“ „Ja, und der Gang vom ‚Atelier Freistil‘ – großartig! Das ist irgendwie von ‚Leben mit Behinderung‘ oder den ‚Elbe-Werkstätten‘.“ „Ja, da gehöre ich auch dazu.“ Jung und alt, behindert und nichtbehindert, Profis und Laien: Das alte Krankenhaus Bethanien wurde hundertfach „umgestaltet“, musste in einigen Räumen Mörtel lassen – aber nur für ein Wochenende. Das fanden viele der Besucher und der Teilnehmer zu wenig – und auch die Organisatoren.

Nach 120 Jahren wurde das Gebäude nun mit diesem Fest würdig verabschiedet und Neues angekündigt: In den nächsten Jahren wird dort Martini44 entstehen: ein sozial-kulturelles Quartierszentrum und ein Haus, in dem all das, was in der Kunstklinik anfing, fortgeführt wird – mit den Alten, den Jungen und den Verrückten.

KONTAKT
Kulturhaus Eppendorf
Julius-Reincke-Stieg 13 a · 20251 Hamburg · info@kulturhaus-eppendorf.de
www.kulturhaus-eppendorf.de · www.kunstklinik-martini44.de