Aufgeregte kleine und große Schauspieler und ein Publikum, das zwischen Lachen und Weinen hin- und hergerissen ist: Wenn die Projektgruppe „Lebenslust für Jung und Alt“ ihr kleines Stück im Bürgertreff Altona aufführt, passiert etwas ganz Besonderes auf der Bühne. Das merkt man spätestens, wenn die Kleinen die Großen an die Hand nehmen oder ihnen den Text zuflüstern – bei diesem Theaterprojekt für Kinder und Senioren mit Demenz.

Autorinnen: Sarah Höfling und Doris Foitzik

Der kleine Kollege hilft, wenn Karl mal nicht weiter weiß, Foto: Michael Hagedorn

Der kleine Kollege hilft, wenn Karl mal nicht weiter weiß, Foto: Michael Hagedorn

Jeden Freitag treffen sich acht Drittklässler der Grundschule Arnkielstraße und acht Senioren, die im Stadtdomizil in der Stresemannstraße leben, um unter Anleitung der Theaterpädagogin Katharina Irion und der Schulmitarbeiterin Jutta Wilhelm zusammen Theater zu spielen. Alle haben kurze Wege – Bürgertreff, Schule und Seniorenheim liegen dicht beieinander. Und auch das Publikum, dem am Ende des Schulhalbjahrs das Ergebnis des eifrigen Probens präsentiert wird, kommt aus der Nachbarschaft. Es sind die Eltern und Mitschüler der kleinen Akteure und die Angehörigen der Senioren.

Geht das überhaupt? Theater spielen mit Menschen, die sich keine Texte merken können? Die oft nicht wissen, wo sie sind? Und wie ist das für die Kinder, wenn die Senioren sie beim nächsten Treffen nicht mehr erkennen? Kann man da überhaupt ein Stück entwickeln? Solche Fragen bekommt der Bürgertreff immer wieder zu hören. Doch diese Befürchtungen sind überflüssig: Kinder haben überraschend wenig Berührungsängste im Umgang mit Demenz. Sie sind geduldig, helfen gerne und lassen sich auch nicht irritieren, wenn die Senioren immer ­wieder ihre Namen vergessen.

Es geht auch nicht um Perfektion. Jeder macht das, was er kann und gerne tut. Karl steht gerne im Rampenlicht und Erna bleibt lieber im Hintergrund. Manche sind noch gut zu Fuß, andere auf den Rollator angewiesen. Das wird einfach in das Stück integriert. Auch wenn die Handlung mal stockt, spätes­tens beim gemeinsamen Singen klappt das Timing wieder. Bei „An de Eck steiht ’n Jung mit ’n Tüddelband“ gibt es immer strahlende Augen bei Schauspielern und Publikum – auch so manche Träne wird verdrückt.

Und die Kinder? Sie führen „ihre“ Senioren zu ihren Plätzen, sind ernsthaft bei der Sache und stolz, wenn das Publikum am Ende begeistert klatscht. „Bis nächste Woche“ rufen sie beim Abschied und lassen sich nochmal umarmen. Man merkt, hier zählt der Moment und das gemeinsame Erleben, und nicht, ob man sich in ein paar Wochen noch daran erinnern kann.

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