Das Gartendeck sind 1100 Quadratmeter Dachfläche, 400 Quadratmeter Grünstreifen, rund 650 Bäckerkisten, ein Container, zwölf Schaufeln, zwei Schubkarren, 172 verschiedene Pflanzensorten, drei Bienenvölker, vier Komposthaufen und eine Wurmkiste. Allen voran ist das Gartendeck aber ein Ort, an dem gemeinschaftliche Strukturen wiederbelebt ­werden: Nachbarn lernen sich kennen, gärtnern gemeinsam und gestalten auf diese Weise den eigenen Stadtteil mit.

Autorin: Kasia Klein

Eine andere Welt ist pflanzbar, Foto: Kasia Klein

„Eine andere Welt ist pflanzbar“ ist in zahlreichen Großstädten zu einem Motto von Urban-Gardening- und Urban-Farming-Initiativen geworden. Angetrieben werden diese Projekte von globalisierungskritischen Themen wie Ernährungssouveränität oder dem Recht auf Stadt: Sie beanspruchen Flächen im öffentlichen Raum, um Visionen von zukunfts­fähigen Lebensentwürfen umzusetzen.

Das Gartendeck bemüht sich, Wissen über alte Kultur­sorten und traditionell-ökologische Anbautechniken zu erlernen und weiterzugeben. Hierbei werden neue Formen eines sozialen Miteinanders erprobt und zudem Erfahrungen im interkulturellen und intergenerationellen Austausch gesammelt.

Workshops, Kochtage, Diskussionsabende und themen­spezifische Führungen für Bildungseinrichtungen gehören neben regulären Öffnungszeiten zu dem Standardrepertoire des Projekts. Das breite Angebot wird von ehrenamtlichem Engagement getragen, welches vor und hinter den Kulissen stattfindet. Denn um den Garten als Ort des Zeitvertreibs, der Wissens­weitergabe oder des Miteinanders für die Nachbarschaft zu öffnen, muss einiges organisiert werden. Immer häufiger werden auch Anfragen gestellt, den Garten für private oder kommerzielle Zwecke bereitzustellen. Eins haben solche Angebote gemein: Sie wären lukrativ. Doch würden sie das Gartendeck früher oder später zu einem weiteren Veranstaltungsort auf der Großen Freiheit mutieren lassen.

Stattdessen setzt der Gemeinschaftsgarten auf Selbstorganisation: Das Veranstaltungsprogramm für die Saison 2014 zeigt hierbei den Bewohnern und Besuchern von St. Pauli Möglichkeiten auf, an einer Kultur des Selbermachens teilzuhaben. Dem Gartendeck ist es ein Anliegen, den Garten als unkommerziellen Raum und als Begegnungsstätte für den Stadtteil zu erhalten: Denn die Freiräume in Hamburg und besonders auf St. Pauli werden enger. Der ökonomische Druck wächst, jede Fläche möglichst gewinnbringend zu vermarkten. Hier wirkt das Gartendeck tatsächlich wie eine Oase – mit Gegenwind.

KONTAKT:
Gartendeck e.V., Große Freiheit 62-68, 22767 Hamburg, info@gartendeck.de, www.gartendeck.de, www.flickr.com/photos/gartendeck