Wie erinnern wir uns, wenn die Zeitzeugen nicht mehr leben? Diese Frage brachte den Künstler und Filmemacher Jens Huckeriede mit der MOTTE zusammen und ­gemeinsam wurde „Sound in the Silence“ entwickelt. Nach seinem Tod im Dezember 2013 engagieren sich die MOTTE und ihre Projektpartner, dieses besondere Erinnerungs- und Verständigungsprojekt in seinem Sinne fortzuführen.

Autorin: Griet Gäthke

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Singer-Songwriter-Workshop vor den Ruinen des ehemaligen deutschen Offizierscasinos in Borne Sulinowo, Foto: Marcin Oliva Soto

„Das Wesentliche an dieser Arbeit ist, dass jeder Jugendliche durch diese künstlerischen Formen einen eigenen Zugang zur Geschichte finden kann, je nachdem, wie er sich fühlt. Weil die Jugendlichen sich emotional ausdrücken können, gibt es nicht so ein Gefälle wie in theoretischen Diskussionen, wo die, die mehr wissen, eben auch mehr sagen. Hier ist also jeder fast gleichberechtigt in den einzelnen Arbeitsgruppen und drückt sich so aus, wie es für ihn möglich ist.
Außerdem ist es ein Verständigungsprojekt mit Schülern aus zwei Ländern, die eine sehr schwierige Geschichte miteinander haben. In dem Projekt geht es neben dieser geschichtlichen Auseinandersetzung um die emotionale Erfahrung an diesen Orten. So ein Projekt, wo man sich auf einen ergebnis­offenen Prozess einlässt, verlangt von allen Teilnehmern höchste Konzentration. Der Versuch in Neuengamme letztes Jahr hat gezeigt, dass es geht. Die Jugendlichen entwickeln das Projekt gemeinsam mit den Künstlern und sie müssen dabei nicht diszipliniert werden und in diesem Prozess entsteht diese unglaubliche Konzentration.“
Jens Huckeriede

In drei Phasen von 2011 bis 2013 wurde deutlich, wie ernsthaft sich Jugendliche in diesem Projekt engagieren. Bei der ersten Begegnung, die in dem Film „sound in the silence“ sehr eindrücklich gezeigt wird, stand die Auseinandersetzung mit einem ehemaligen Konzentrationslager im Mittelpunkt. Darf an so einem Ort getanzt und musiziert werden, fragten sich die Schülerinnen und Schüler aus Koszalin und Hamburg. In den Workshops verarbeiteten sie die Informationen über die Vergangenheit des Ortes und verbanden ihre Fragen, Gefühle und Eindrücke mit dem, was sie in der Gegenwart beschäftigt. Beim Gegenbesuch in Borne Sulinowo, wo auf einem ehemaligen Militärgelände über die deutsche, polnische und sowjetische bzw. russische Geschichte gearbeitet wurde, waren die Jugend-lichen schon sehr viel selbstsicherer. Es fiel ihnen nicht mehr schwer, sich in den offenen künstlerischen Prozess einzubringen. Auch hier entwickelten sie eine gemeinsame Performance: Jeweils zwei Jugendliche konnten 2013 das Projekt dementsprechend überzeugend den Partnerorganisationen in San Francisco und Chicago vorstellen.

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