Seit fünf Jahren zeigen Musikaktive aus Wilhelmsburg und von der Veddel was für breites musikalisches Schaffen in allen Genres, Kulturen, Generationen und Professionalisierungsstufen die Elbinseln auszeichnet. Die Stiftung Bürgerhaus Wilhelmsburg präsentiert mit 48h Wilhelmsburg die lokalen Musikkulturen an Orten des Alltags – ob Buchhandlung, Tattoo-Studio, Parkdeck, Stadtmodell oder auch in der Honigfabrik. Von der Aussichtsplattform am Alten Elbtunnel im Norden bis zur Bunthäuserspitze im Süden schafft 48h ein nachhaltiges musikalisches Community Building für die Elbinseln.

Autorinnen: Katja Scheer und Steph Klinkenborg

48h Wilhelmsburg wird von immer mehr Musikaktiven im Stadtteil genutzt: von avangardistischer über traditionelle Musik bis hin zu Hardcore oder Sprechgesang aus fast allen Teilen der Welt – vom Gipsy-Swing, norddeutschen Shanties, Klezzmer, türkischer Folklore zu Alternative-Rock. 48h bietet dabei den strukturellen Rahmen in den Bereichen Projektmanagement, professioneller Tontechnik und Öffentlichkeitsarbeit. Bisher hat sich jedes Jahr die Zahl der teilnehmenden Musikerinnen und Musiker um ein Drittel erhöht. Und es ist kein Ende abzusehen. Der Stadtteil steht aber nicht nur auf der Bühne sondern sowohl davor und dahinter. In regelmäßigen monatlichen Zirkeltreffen finden Interessierte Gelegenheit, ihre Ideen, Pläne und Anregungen in die Veranstaltung einzubringen.

Am Anfang stand eine Idee: Musikalisches Community Building

Mit dem Start von der IBA und der internationalen Gartenschau war klar: Wilhelmsburg und die Veddel werden einer Stadt­entwicklung im Zeitraffer unterliegen. Kultur wird in solchen Verfahren oft von außen implementiert und dient primär der ­allgemeinen Aufwertung. Für die Stiftung Bürgerhaus Wilhelms­burg standen deshalb die Fragen im Raum: Wie kann aber das vorhandene kulturelle Kapital der vielfältigen Bevölkerungs­gruppen der Elbinseln sichtbar gemacht werden? Und wie kann dabei die Stadtteilidentität und die Solidarität untereinander gestärkt werden?

Musik für Alle von Allen: Elbinselmusikfestival 48h Wilhelmsburg, Foto: Jo Larsson, www.jolarsson.com

Veddel und Wilhelmsburg sind die Stadtteile Hamburgs mit den höchsten Anteilen an Bewohnerinnen und Bewohnern mit Migrationshintergrund. Es sind zudem sehr junge Stadtteile, in denen mehr als ein Fünftel der Bevölkerung unter 18 ist. Auf den Elbinseln sind außerdem gerade die Milieus überproportional vertreten, die sich traditionell von klassischen Beteiligungsverfahren nicht eingeladen fühlen und sich auch in den Strukturen einer repräsentativen Demokratie oft nicht wiederfinden – durch kulturelle oder sprachliche Barrieren oder schlicht durch fehlendes Wahlrecht. Hier muss die Ansprache auf anderen Wegen erfolgen. Musik ist einer davon.

Das kulturelle Potenzial liegt vor der Haustür

Anstatt Kultur als Coolnessfaktor zu vermarkten und bekannte Acts auf die Bühne zu bringen, geht es hier um Musik aus dem Stadtteil: Gewachsene Kultur, an Orten des Alltags im Stadtteil. Es geht um langfristige Entfaltungsperspektiven, kulturelle Teilhabe und auch darum, sich gemeinschaftlich, nachhaltig für die Entwicklung des Gemeinwesens einzusetzen. Laut Evaluation sagen 90 Prozent der Akteure, dass 48h Wilhelmsburg neue Lösungen für Probleme im Stadtteil aufzeigt, die Stadtteilsolidarität und der interkulturelle Austausch steigt. Über 70 Prozent fühlen sich animiert zum Mitmachen und knüpften Kontakte, die über 48h Wilhelmsburg hinaus existieren.

Foto: Jo Larsson, www.jolarsson.com

Musik von den Elbinseln

48h kann nur deshalb so erfolgreich wirken, weil die Idee von Beginn an einen Entwicklungsspielraum durch die Stiftung Bürgerhaus Wilhelmsburg erfahren hat. Bereits 2007 initiierte das Bürgerhaus Wilhelmsburg das Netzwerk „Musik von den Elbinseln“ und identifiziert seitdem musikalische Akteure der unterschiedlichsten Kulturkreise – vernetzt Schulen und außerschulische Institutionen, Profis und Semiprofessionelle, Ver-anstaltungsorte, musikwirtschaftliche Anbieter und viele andere Elbinsel-Musikaktive.

Charmeoffensive: Der 48h Freundeskreis

Die jedes Jahr aufs Neue rasant ansteigende Zahl der teil­nehmenden Künstlerinnen, Künstler und Veranstaltungsorte stellt das Bürgerhaus Wilhelmsburg vor die Herausforderung, die wachsenden Strukturen auch finanziell abzusichern. Der Produktionsaufwand bei den vielen kleinen Spielorten ist groß, macht aber den Charme des Wochenendes aus. Noch fehlen 30.000 Euro für den Durchgang in 2014. Deshalb hat das Bürgerhaus den 48h Freundeskreis gegründet: Ab drei Euro im Monat kann jeder Freundin oder Freund von 48h Wilhelmsburg sein und direkt dazu beitragen, dem Projekt eine sichere Basis zu geben. Damit es dann vom 13. bis 15. Juni 2014 auf den Elbinseln wieder heißt: 48h Wilhelmsburg.

KONTAKT:
Stiftung Bürgerhaus Wilhelmsburg, Katja Scheer, Mengestraße 20, 21107 Hamburg, 040.75201714, katjascheer@buewi.de, www.48h-wilhelmsburg.de