Motivation entsteht durch positive Identifikation und durch Vorbilder. HeldInnen sind solche Vorbilder: Sie haben besondere Fähigkeiten und vollbringen Taten, die vielen Menschen nützen – HeldInnentaten. Kinder und Jugendliche suchen sich Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Entsprechend groß ist das mediale Angebot an HeldInnen: Pippi Langstrumpf, Harry Potter und Hermine Granger, Luke Skywalker. Aber wo sind die HeldInnen im richtigen Leben, mit denen man sprechen und gemeinsam HeldInnentaten vollbringen kann? Steckt nicht eigentlich in jedem selbst eine Heldin oder ein Held? Müsste man nicht Kinder und Jugendliche darin unterstützen, ihr HeldInnensein zu ­finden? Im Projekt „Die NachbarschaftsheldInnen – Die HeldInnenagentur“ des K3 – Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg sollen Kinder und ­Jugendliche durch HeldInnen-TrainerInnen angeleitet und begleitet zu Nachbarschafts­heldInnen werden sowie auch andere in der HeldInnenagentur dazu ermutigen.

Autorin: Stephanie Zimmermann

Performative HeldInnen-Aktionen im öffentlichen Raum, Foto: Meike Klapprodt

Performative HeldInnen-Aktionen im öffentlichen Raum, Foto: Meike Klapprodt

In einem speziellen „Ausbildungsprogramm“ erkunden und erfahren die Kinder und Jugendlichen ihre Nachbarschaft zunächst auf spielerischer Weise, eignen sich im weiteren Verlauf besondere Fähigkeiten an, vollbringen gemeinsam künst­lerische HeldInnentaten im Stadtteil und ermutigen auch andere, HeldInnentaten zu vollbringen. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche über selbstständiges Handeln und künstlerische Kontexte zu befähigen, sozial verantwortlich zu handeln und sich so an der demokratischen Gestaltung der Stadtgesellschaft zu beteiligen. Im Fokus stehen die Auseinandersetzung mit dem sozialen Nahraum, der kulturellen Vielfalt der eigenen Nachbarschaft sowie die Stärkung eigener Fähigkeiten. Das „Ausbildungsprogramm“ der NachbarschaftsheldInnen teilt sich in drei Phasen.

Die erste Phase umfasst das spielerische Erfahren und Erkunden der Nachbarschaft, die die Kooperationspartner Stadtteil-schule Winterhude – Winterhuder Reformschule und K3 | Tanzplan Hamburg umgibt. Mit dem von Studierenden der Hafen-City Universität Hamburg | Kultur der Metropole entwickelten Nachbarschafts-Spiel „Grätzl“ gehen die zukünftigen NachbarschaftsheldInnen auf Recherche und machen sich gemeinsam mit den Erfinderinnen des Spiels auf spielerische Weise mit ihrem Stadtteil – den Menschen, Orten und kulturellen Gegebenheiten, aber auch Besonderheiten, Merkmalen und Problemen – bekannt und vertraut.

In der zweiten Phase wählen die Kinder und Jugendlichen aus dem recherchierten Material unterschiedliche Problem-lagen aus, die sie am Ende ihrer „Ausbildung“ in Form von künstlerischen HeldInnentaten beheben wollen. Anhand dieser selbst gewählten Aufgaben werden die dafür notwendigen Fähigkeiten und Eigenschaften analysiert und in Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern, den HeldInnen-TrainerInnen, entwickelt. Abgeschlossen wird die Phase mit der künstlerischen Umsetzung und Präsentation der HeldInnentaten als choreographische Projekte sowie konkrete performative HeldInnen-Aktionen im öffentlichen Raum.

Im Anschluss an die „Ausbildung“ zur Nachbarschafts-heldIn tritt das Projekt in die dritte Phase ein: die Gründung einer HeldInnenagentur. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln auf Grundlage ihrer Recherchen eine Anlaufstelle für weitere eigene sowie durch Nachbarn beauftragte künstlrische HeldInnentaten, die sich den Besonderheiten und Problemen des Viertels annehmen. Zudem bilden sie weitere Bewohner-innen und Bewohner zu NachbarschaftsheldInnen aus. Die HeldInnenagentur schafft dabei positive Vorbilder und motiviert Schüler, Nachbarn, Lehrer und Künstler dazu, künstlerisch HeldInnentaten zu vollbringen, sich für ihre Umgebung einzusetzen und somit einen Teil zur kulturellen Vielfalt des Stadtteils beizutragen. Zudem fördern die öffentlichen Präsentationen die Aufmerksamkeit für Besonderheiten und Merkwürdigkeiten des Stadtteils. Die NachbarschaftsheldInnen und ihre Agentur ermöglichen dabei, bestehende nachbarschaftliche Netzwerke zu stärken, aber auch ein neues generationenübergreifendes nachbarschaftliches Netzwerk zu bilden, das sich über das künstlerische Engagement hinaus als dauerhaftes Projekt der Schule und des K3 im Stadtteil etablieren und durch die Teilhabe verschiedener Akteure die Lebensqualität in der Nachbarschaft erhöhen kann. Alle drei Phasen sind auf andere Stadtteile übertragbar.

K3 ist das Kompetenzzentrum für zeitgenössischen Tanz und Choreographie in Hamburg. Neben der Arbeit mit Choreo-graphen und Tänzern ist die kulturelle Bildungsarbeit ein weiterer Schwerpunkt des Zentrums und umfasst Projekte von, mit und für Kinder und Jugendliche, langfristige Kooperationen mit Schulen sowie Einzelangebote für Schulklassen. K3 setzt dabei auf partizipative und transdisziplinäre Konzepte, die Tanz und Choreographie als eigenständige Kunstformen verstehen und auf Nachhaltigkeit und Kontinuität setzen.

Die Stadtteilschule Winterhude verfolgt einen reformpädagogischen Ansatz mit einem innovativen Lehr- und Lernkonzept, das die Schülerinnen und Schüler als Partner aktiv und demokratisch in Planungsprozesse einbezieht und in dessen Fokus das „natürliche Lernen“ steht. In jeweils altersgemischten Gruppen können die Schüler neben der „kulturellen Basis“ – Mathe, Deutsch, Englisch und Gesellschaft – selbstständig eigene thematische Schwerpunkte setzen, die in unterschiedlichen Lern-/Lehrformate umgesetzt werden.

Die Projektidee ‚Die NachbarschaftsheldInnen – Die HeldInnenagentur‘  konnte nicht wie geplant umgesetzt werden, da die Ideengeberschaft nicht klar war.  K3 hat deshalb den Preis einschließlich Preisgeld zurückgegeben.

KONTAKT:
K3 – Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg, Kampnagel, ­Jarrestraße 20, 22303 Hamburg, 040/27 09 49-50, www.k3-hamburg.de