Der 15. Hamburger Stadtteilkulturpreis wurde an die Veranstaltungsreihe „37FÜNF° – Heimat – Flucht – Zusammenleben“ des Stadtteilkulturzentrums Eidelstedter Bürgerhaus verliehen. Das Projekt bündelt verschiedene kulturelle Veranstaltungen, wie Ausstellungen oder Filme, in denen die Themen Flucht, Ankommen, Integration, Mitgestalten und neue Nachbarschaften in den Fokus gerückt werden. Der größte Preis der Hamburger Stadtteilkultur ist mit 10.000 Euro dotiert und wurde in einer festlichen Veranstaltung vor gut 200 Gästen in der Halle 424 im Oberhafen von Senator Dr. Brosda übergeben.

Die glücklichen Gewinner, Foto: Jan-Rasmus Lippels

Die glücklichen Gewinner des Hamburger Stadtteilkulturpreises 2018, Foto: Jan-Rasmus Lippels

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Kulturarbeit hat in ihrem gesellschaftspolitschen Kern immer mit der Frage zu tun, wie wir leben wollen. Diese Frage stellt sich mit Blick auf wachsende Vielfalt unserer Gesellschaft mit hoher Dringlichkeit. Stadtteilkultureinrichtungen wie das Eidelstedter Bürgerhaus sind wichtige Orte, die vor Ort einen Platz für eine Verständigung über das Zusammenleben schaffen. Mit der Veranstaltungsreihe 37FÜNF° gelingt es dem Team des Eidelstedter Bürgerhauses in besonderer Weise, Begegnungen zwischen den Menschen zu ermöglichen, die gemeinsam im Stadtteil leben. Es schafft Verständnis für andere und ihre individuellen Lebensgeschichten. Es sind genau solche Orte, die wir brauchen, um Empathie füreinander zu entwickeln und miteinander ins Gespräch zu kommen.“

Über 37FÜNF° – Heimat – Flucht – Zusammenleben

Das Stadtteilkulturzentrum Eidelstedter Bürgerhaus entwickelte 2017 die Veranstaltungsreihe 37FÜNF° – Heimat – Flucht – Zusammenleben, um auf die Diskussion um den Bau von Wohnungen für Geflüchtete im Stadtteil zu reagieren. Die Reihe bündelt Aktivitäten und Veranstaltungen, in denen die Themen Flucht, Ankommen, Integration, Mitgestalten und neue Nachbarschaften in den Fokus gerückt wurden. Bislang gab es zum Beispiel Ausstellung und Film zu Themen wie Flucht, Migration und Ankommen, aber auch partizipative Angebote wie eine Tanz- und Theaterwerkstatt oder Musikworkshops.

Die Jury sieht die Veranstaltungsreihe „37FÜNF° – Heimat – Flucht – Zusammenleben“ als besonders preiswürdig an, weil sie als kultureller Brückenbauer den Begriff „Heimat“ neu definiert und mit einer Mischung aus Sensibilisierung, Wissensvermittlung und kultureller Partizipation gleich mehrere Generationen anspricht. „37FÜNF°“ fördert das gegenseitige Verständnis zwischen eingesessenen Stadtteilbewohnern und Neu-Hinzugekommenen. Die Reihe zeigt, wie es dazu kommt, dass jemand – freiwillig oder unfreiwillig – seine Heimat verlässt und was es bedeutet, auf der Flucht zu sein. Damit schafft sie wichtige Verbindungen zwischen den Menschen und stärkt nachhaltig das Zusammenleben.

Die Veranstaltungsreihe „37FÜNF°“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie auch kleinere Stadtteilkultureinrichtungen die Ausgangslage in ihrem Quartier erfassen, mit kulturellen Mitteln kreativ bearbeiten und verändern. Sie steht exemplarisch für die Arbeit der Stadtteilkultur, in der auch kleine Player Großes für die Gemeinschaft leisten. Mit der Auszeichnung für „37FÜNF°“ möchte die Jury sicherstellen, dass das Projekt weitergeführt, weiterentwickelt und möglichst nachhaltig im Stadtteil verankert werden kann.

Talk „Wie geht es weiter mit der kulturellen Integration?“ in der vollbesetzten Halle 424 im Oberhafen, Foto: Jan-Rasmus Lippels

Talk „Wie geht es weiter mit der kulturellen Integration?“ mit dem Senator für Kultur und Medien Dr. Carsten Brosda, Holger Börgartz vom Stadtteilkulturzentrum Eidelstedter Bür-gerhaus und Robert Hillmanns, Programmplaner im Kulturzentrum zakk (Düsseldorf)

Unter den Gästen in der Halle 424 waren neben Vertretern der Stadtteilkultur und der nominierten Projekte hochrangige Gäste aus Politik, Verwaltung, Gesellschaft und Kultur, die von der freien Journalistin Catarina Felixmüller durch die Veranstaltung geführt wurden.

Ein Kurzfilm des Filmemachers Martin D’Costa stellte das Gewinnerprojekt des Stadtteilkulturpreises vor. Die Laudationes für das Gewinnerprojekt hielt der Kulturjournalist Stefan Reckziegel. Zusammen mit Prof. Dr. Gesa Birnkraut von Birnkraut Partner und Robert Hillmanns vom zakk Düsseldorf hatte er den Preisträger aus einer Vorauswahl der Preisstifter ermittelt.

Preisstifter und Unterstützer des Preises sind die Hamburgische Kulturstiftung, die Gabriele Fink Stif-tung, die Patriotische Gesellschaft von 1765 und die Behörde für Kultur und Medien. Die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. unterstützt die Umsetzung. STADTKULTUR HAMBURG, der Dachverband für Lokale Kultur und Kulturelle Bildung, ist als Experte und Szenekenner für Konzeption und Durchführung des Wettbewerbs zuständig.

Als Finalisten nominierten die Preisstifter und Unterstützer neben dem jetzt ausgezeichneten Projekt „37FÜNF°“ weitere neun herausragende Projekte und Programme der Stadtteilkultur (in alphabetischer Reihenfolge):

Das Jubiläumsprogramm 10 Jahre SuedKultur der Initiative SuedKultur, das kulturelle Bildungsprojekt Circus ABRAX KADABRAX des Jugendpfarramtes der Nordkirche, die partizipative Aktion Dulsbox – 30m2 für Deine Ideen! vom Stadtteilbüro Dulsberg, das Kindertheaterfestival Lüfte – das Wüstenschiff hebt ab!, ein Kooperationsprojekt von 17 Hamburger Stadtteilkulturzentren, das Historische Kinderprojekt des Stadtteilarchivs Bramfeld e.V., das intergenerative Kultur-Teilhabe-Projekt KULTURISTENHOCH2 der Stiftung Generationen-Zusammenhalt, das Begegnungsprojekt NEW HAMBURG der Kirchengemeinde Veddel und des Deutschen Schauspielhauses, das experimentelle Stadtteilbureau Schaltzentrale des Viele Grüße von – Verein zur Förderung raumöffnender Kultur e.V. und das integrative Medienprojekt Yalla – Rein in die Stadt! der GWA St. Pauli.