Das Projekt All Inclusive lädt alle Menschen ein, gemeinsam Theater zu spielen, Filme zu drehen oder Sport zu treiben. Dabei lernen alle von allen. Auch die Projektmacher*innen haben dazu gelernt.

Autor: JAN KNACKSTEDT

Produktion „ANTIGONE – oder sollen wir es lassen?“ im Rahmen von All Inclusive, Foto: Jan Knackstedt

Unter dem Namen All Inclusive organisiert das Goldbekhaus seit Juni 2015 kostenfreie Bildungs- und Freizeit­angebote, um die weniger Privilegierten in das privilegierte Winterhude zu bringen. Aktion Mensch machtʼs möglich.

Bei uns und unseren Kooperationspartner*innen wurde getanzt, geklettert, gepaddelt, gespielt, gefilmt und viel diskutiert. In diesen viereinhalb Jahren hat sich All Inclusive gewandelt und bewegt, analog zu den Diskursen um das Thema Inklusion.

Unsere Leitlinie „Alles für Alle und Alle mit Allen“ war für einige Akteure der Kultur und Bildung zu Anfang ungewohnt und wirkte in der Praxis chaotisch. Inzwischen sind Barrieren gefallen oder sichtbarer geworden. Man beschäftigt sich mit den eigenen Wahrnehmungsgewohnheiten, dem eigenen Rassismus, Ableismus etc.

Wir haben dazugelernt. Am Anfang hatten wir klare Vorstellungen von den Bedürfnissen unserer Zielgruppen. Bald verstanden wir, dass es nicht möglich ist, Zielgruppen zu definieren, ohne dabei zu diskriminieren. Wer sind diese Geflüchteten und warum sollen sie nun alle Theater spielen oder Kurzgeschichten schreiben, die am besten von ihrer Flucht handeln? Wir wollten diese Bilder nicht reproduzieren.

Wenn All Inclusive sich aber der Öffentlichkeit präsentierte, bekamen wir Anfragen, ob es nicht möglich wäre, Vertreter*innen unserer Zielgruppen zu diesen öffentlichen Präsentationen mitzubringen. Das sieht auf Bildern gut aus. Aber niemand wollte im Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen, weil es auf Bildern gut aussieht.

Wir können Menschen nicht als Arbeitsgegenstand verstehen. Wenn überhaupt, sind wir das alle. Diskriminierung ist zwar das Problem der Diskriminierten, aber wir Privilegierten sind vor allem Schuld daran und müssen Verantwortung übernehmen für die Veränderung gesellschaftlicher Normen, die Diskriminierung ermöglichen. Die Welt muss sich zuerst in den Köpfen ändern.

All Inclusive arbeitet an den Vorstellungen in den Köpfen und an einer Normalität, die Bilder produziert, auf denen immer die weißen, privilegierten (Projekt-)Macher*innen zu sehen sind, die ein paar möglichst Schwarze und möglichst Behinderte mitgebracht haben. Und auch wenn All Inclusive zum Herbst endet, hören wir damit nicht auf.

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