Jenfelder Erinnerungskultur-Projekt mit Hamburger Stadtteilkulturpreis 2026 ausgezeichnet

Das Projekt „Wie wollen wir erinnern?“ vom Salon International erhielt in diesem Jahr den wichtigsten Preis für Hamburger Stadtteilkultur. Mit dem Stadtteilkulturpreis werden wegweisende Projekte und Programme der lokalen Kultur in Hamburg gewürdigt. Der Publikumspreis der Stadtteilkultur ging an das Projekt „Voices of Bahrenfeld“.

Führung im sogenannten Tansania-Park in Jenfeld im Rahmen des partizipativen Projektes „Wie wollen wir erinnern?“, Foto: Henriette Pogoda

Das partizipative Projekt „Wie wollen wir erinnern? initiiert rund um den sogenannten Tansania-Park in Jenfeld einen offenen Dialograum, in dem Nachbarschaft, Künstler*innen und Expert*innen gemeinsam Fragen von Kolonialgeschichte, Erinnerungskultur und Perspektivwechsel verhandeln. Die Jury würdigte insbesondere die gesellschaftliche Relevanz und innovative Herangehensweise des Projekts: „Die Jury zeichnet das Projekt ‚Wie wollen wir erinnern?‘ aus, weil es sich auf innovative und partizipative Weise mit dem kolonialen Erbe des sogenannten Tansania-Parks in Hamburg-Jenfeld auseinandersetzt. Es verbindet lokale Perspektiven und aktuelle Fragestellungen mit globalen historischen Zusammenhängen und bringt Themen wie Kolonialismus und Nationalsozialismus in einen direkten Bezug zur Lebenswelt vor Ort. Mit künstlerischen und kreativen Formaten eröffnet das Projekt neue, niedrigschwellige Zugänge zur Geschichte und macht sie im Alltag erfahrbar. Im Zentrum steht die aktive Beteiligung der Bewohner*innen: Erinnerung wird nicht vorgegeben, sondern gemeinsam gestaltet. Durch die Einbindung unterschiedlicher Perspektiven, unter anderem aus der Schwarzen Community sowie durch internationale Kooperationen, entsteht ein vielstimmiger Austausch. In der Verbindung von kultureller Bildung, künstlerischer Praxis und nachbarschaftlichem Engagement zeigt das Projekt beispielhaft, wie zeitgemäße Erinnerungskultur im Stadtteil gelingen kann: offen, dialogisch und gesellschaftlich relevant.“

Ein Film von Martin D’Costa stellte das Gewinner*innen-Projekt auf der Verleihung vor, Film: Martin D’Costa

Der Stadtteilkulturpreis wird gestiftet und unterstützt von der Hamburgischen Kulturstiftung, der Gabriele Fink Stiftung, der Patriotischen Gesellschaft von 1765 sowie der Behörde für Kultur und Medien. Die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. fördert die Umsetzung. STADTKULTUR HAMBURG, Dachverband für lokale Kultur und kulturelle Bildung, verantwortet als Branchenexpert*in die Konzeption und Durchführung des Wettbewerbs.

Die Finalist*innen 2026

Im Bewerbungszeitraum für den 23. Hamburger Stadtteilkulturpreis von Anfang November 2025 bis Anfang Januar 2026 wurden insgesamt 57 Projekte und Programme eingereicht. Die Preisstifter*innen nominierten daraus zehn Finalist*innen, die die Vielfalt und Qualität der Hamburger Stadtteilkultur exemplarisch abbilden (in alphabetischer Reihenfolge):

Die Auswahl des Gewinner*innen-Projektes erfolgte durch die Jury mit Prof. Dr. Julius Heinicke (Institut für Kulturpolitik, Universität Hildesheim), Jennifer Tharr (DROSOS STIFTUNG) und Klaus Kolb (ehemaliger Geschäftsführer der KUNSTKLINIK). Der mit 10.000 Euro dotierte Hamburger Stadtteilkulturpreis wurde am Dienstag, den 28. April 2026, durch den Senator für Kultur und Medien, Dr. Carsten Brosda, im feierlichen Rahmen der Halle 424 im Oberhafen überreicht. Durch die Veranstaltung führte die Autorin und Slampoetin Mona Harry. Ein Kurzfilm des Filmemachers Martin D’Costa stellte das ausgezeichnete Projekt vor.

Publikumspreis der Stadtteilkultur 2026

Zum dritten Mal wurde in diesem Jahr der Publikumspreis der Hamburger Stadtteilkultur vergeben, der mit 2.000 Euro dotiert ist. Über einen Zeitraum von drei Wochen hatte die Öffentlichkeit die Möglichkeit, online für eines der zehn Finalist*innen-Projekte abzustimmen. Der Preis wurde im Rahmen der Verleihung von der Geschäftsführerin von STADTKULTUR HAMBURG, Corinne Eichner, an die Kulturagent*innen Hamburg überreicht. Das Projekt „Voices of Bahrenfeld“ ermöglichte rund 500 Schüler*innen der Esther-Bejarano-Schule, ihren Stadtteil im Rahmen eines Audio-Walks neu zu erzählen.

Die Hamburger Stadtteilkultur

Die Hamburger Stadtteilkultur steht für aktive Teilhabe, gesellschaftliche Mitgestaltung und kulturelle Vielfalt. Sie schafft Räume für Begegnung, stärkt Bildungsgerechtigkeit und fördert künstlerischen Nachwuchs. Als unverzichtbarer Bestandteil urbaner Entwicklung ermöglicht sie Identitätsbildung vor Ort und bringt Kultur dorthin, wo Menschen leben. Stadtteilkultur ist nahbar, relevant und Ausdruck der vielfältigen Perspektiven unserer Stadtgesellschaft.