Das leise Quietschen der Stiftspitze, das raue Papier an den Fingerkuppen. Der Sonnenstrahl, der sich in der kleinen Wasserpfütze auf dem Aquarellpapier bricht. Der zauberhafte Geruch der Farben. In der LichtwarkSchule passiert etwas Magisches.

Autorin: Susanne Alm-Hanke

In den Kursen Farbmäuse und Kleine Künstler der gemein­nützigen LichtwarkSchule wechseln die Kinder immer wieder vom Schaffenden zum Betrachtenden. Bildende Künstler*innen sind dabei, sie begegnen den Kindern, doch sie bewerten deren Arbeiten nicht. In den Kunstkursen lernen Kinder zwischen fünf und 15 Jahren aus Hamburger Stadtteilen mit Entwicklungsbedarf, wie sie ihre Fantasie und Schöpferkraft entwickeln und benutzen können.

Das Lichtwark-Projekt ist eine an die Schulen und Kitas angedockte mobile Kunstschule für Kinder, die wenig Förderung von ihren Eltern erhalten. „Der Erhalt der Entdeckerfreude bei Kindern ist bedeutend für ihre stabile Entwicklung – und ebenso zentral für das ­gesellschaftliche Zusammenleben“, sagt Franziska Neubecker, die Initiatorin der LichtwarkSchule.

Malen, Zeichnen und plastisches Gestalten in den Kursen der LichtwarkSchule seien zuallererst mit Freude und Neugier verbunden, erklärt Neubecker. Freude erhöhe das Selbstvertrauen und bewirke eine positive Einstellung zum Leben und Lernen. Die LichtwarkSchule gibt Rückenwind in einem Schulalltag, in dem viele Kinder ansonsten allzu häufig nur Gegenwind spüren.

Pro Schuljahr begleitet die LichtwarkSchule etwa 450 Hamburger Kinder an zurzeit zwölf Schulen in acht Stadtteilen. Dabei sind 20 ehrenamtliche Unterstützer*innen, vom Studenten bis zur Generation 50plus, und acht Künstler*innen. Die Präsentationen der Werke der Kinder finden einmal jährlich an öffent­lichen Orten in den Quartieren statt: in Museen, Kulturzentren und Kunstateliers.

Nach einem Gutachten der Universität Hamburg sind Problem­lösekompetenz, Mut und Selbstwertgefühl bei allen Kindern, die die Kurse der LichtwarkSchule besucht haben, deutlich gestiegen. Der Hirnforscher Professor Gerald Hüther betont, dass die Arbeit der Einrichtung in dieser Form einmalig in Deutschland sei. „Die kreativsten Schüler versagen leider am starren Schulsystem. Um kreative Potenziale zu entfalten, brauchen Kinder einen Gestaltungsraum, wie ihn die LichtwarkSchule bietet“, sagt Hüther.

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