Der 16. Hamburger Stadtteilkulturpreis wurde an das Theaterprojekt Jenkitos – Junges Theater Jenfeld der Freien Kulturinitiative der Quadriga verliehen. Seit 10 Jahren bieten die Jenkitos in dem mit vielen Problemen kämpfenden Stadtteil Jenfeld Theaterprojekte für Kinder und Jugendliche an. Der größte Preis der Hamburger Stadtteilkultur ist mit 12.000 Euro dotiert und wurde in einer festlichen Veranstaltung vor rund 200 Gästen in der Halle 424 im Oberhafen von Senator Dr. Carsten Brosda im Namen des Kreises der Preisgeber übergeben.
  • Foto: Miguel Ferrez
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Seit 10 Jahren bietet die Freie Kulturinitiative mit den Jenkitos Theaterprojekte für Kinder und Jugendliche in Jenfeld an. In jeder Spielzeit entstehen bis zu drei Theaterproduktionen mit rund 50 Akteur*innen im Alter von neun bis 19 Jahren. Die Stücke entwickeln die Gruppenmitglieder selbst, gemeinsam mit erfahrenen Theaterpädagoginnen. Der Name Jenkitos ist ein Kunstwort aus „Moskito“ und „Jenfeld“: Moskitos gibt es überall, und genauso international ist auch das Junge Theater Jenfeld. Und wie Moskitos sollen die Stücke hier und da „piksen“ – kritisch, unbequem und anspruchsvoll sein.

In der Begründung für die Entscheidung heißt es: „Die Jury sieht das Projekt Jenkitos als besonders preiswürdig an, da es kontinuierliche theater-pädagogische Arbeit in einem Stadtteil leistet, in dem 42 Prozent der Familien mit Kindern unter 15 Jahren von Sozialleistungen leben. Den schwierigen Umständen zum Trotz gelingt es dem Jenkitos-Team, zusammen mit den Kindern und Jugendlichen des Stadtteils Theaterproduktionen von hoher Originalität und künstlerischer Qualität zu realisieren. Die Lebenswirklichkeiten der Kinder und Jugendlichen, die sie selbst oft als defizitär wahrnehmen, werden für die selbst entwickelten Theaterstücke produktiv gemacht und rücken dadurch in ein neues Licht.
Die Jenkitos machen ein Angebot, das nicht nur von den Teilnehmer*innen in besonderem Maße geschätzt wird, sondern auch eine hohe Akzeptanz im Stadtteil erfährt. Die nunmehr über zehn Jahre währende Arbeit der Jenkitos hat zu einer Vernetzung im Stadtteil geführt, die die Partizipation unterschiedlichster Menschen ermöglicht. Jenfelder*innen, die sonst nie ein Theater besuchen, kommen zu den Aufführungen. Oft werden öffentliche Räume wie Parks oder Einkaufszentren einbezogen, so dass Schwellenängste erst gar nicht entstehen können.
Mit dem Preisgeld will die Jury den Jenkitos die Möglichkeit geben, die gute Arbeit auszubauen und weiterzuentwickeln. Ferner möchte die Jury durch ihre Entscheidung ausdrücklich auch kleinere Initiativen und Projekte ermutigen, sich für künftige Hamburger Stadtteilkulturpreise zu bewerben.“

Unter den Gästen in der Halle 424 waren neben Vertretern der Stadtteilkultur und der nominierten Projekte hochrangige Gäste aus Politik, Verwaltung, Gesellschaft und Kultur, die von Daniel Kaiser, Leiter der Kulturredaktion von NDR 90,3, durch die Veranstaltung geführt wurden. Ein Kurzfilm des Filmemachers Martin D’Costa stellte das Gewinnerprojekt des Stadtteilkulturpreises vor. Die Laudatio für das Gewinnerprojekt hielt die Geschäftsführerin der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren Ellen Ahbe. Zusammen mit Hella Schwemer-Martienßen von der Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen und Robert Hillmanns vom zakk Düsseldorf hatte sie den Preisträger aus einer Vorauswahl der Preisstifter ermittelt.

Herausragende Projekte und Programme

Als Finalisten nominierten die Preisstifter und Unterstützer neben den jetzt ausgezeichneten Jenkitos weitere neun herausragende Projekte und Programme der Stadtteilkultur (in alphabetischer Reihenfolge):

Auswahl, Jury und Preisstifter

Von Anfang November 2018 bis Anfang Januar 2019 konnten sich kulturelle Initiativen, Zentren und Vereine sowie Einzelpersonen, die sich in der Stadtteilkulturarbeit in Hamburg engagieren, für den Preis bewerben. Neben Kulturprojekten konnten Kurs- und Veranstaltungsprogramme, Programmbereiche, Veranstaltungsreihen, spezielle Veranstaltungsformate und Festivals, die in besonderer Weise den Qualitätskriterien des Stadtteilkulturpreises entsprechen, eingereicht werden. Rund 50 Träger*innen hatten sich mit ihren Projekten und Programmen beworben.

Aus allen Einsendungen nominieren die Preisstifter zehn ­Bewerbungen für den Hamburger Stadtteilkulturpreis, die ­unabhängige Jury ermittelt aus diesen Nominierungen im Anschluss den Preisträger.

Preisstifter und Unterstützer des Preises sind die Hamburgische Kulturstiftung, die Gabriele Fink Stiftung, die Patriotische Gesellschaft von 1765 und die Behörde für Kultur und Medien. Die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. unterstützt die Umsetzung. STADTKULTUR HAMBURG, der Dachverband für Lokale Kultur und Kulturelle Bildung, ist als Experte und Szenekenner für Konzeption und Durchführung des Wettbewerbs zuständig.